Warum einfach, wenn’s kompliziert geht

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In meinem letzten Beitrag habe ich ja erwähnt, dass ich mir während des Probenähens bei Lotte&Ludwig einfach noch eine zweite „Meine Sandkastenliebe“ nähen musste. Denn erstens konnte ich diese Falte im Rücken, die bei meinem ersten Kleid durch meine Ungenauigkeit entstanden ist, nicht auf mir sitzen lassen und zweitens hatte ich eine spezielle Idee im Kopf. Und zwar eine Mischung aus den beiden im Ebook enthaltenen Varianten „vorne geknöpft mit tiefem V – Ausschnitt“ und „hinten geknöpft mit hohem Rundhals – Ausschnitt“ zu nähen, nämlich „vorne geknöpft mit hohem Rundhals-Ausschnitt“.

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Damit habe ich das Rad natürlich nicht neu erfunden und der Grund, warum ich überhaupt darauf gekommen bin, war ziemlich simpel. Beim Betrachten der wunderschönen anderen Probenähmodellen habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, ob die Knopfleiste im Rücken beim Sitzen nicht unbequem sei. Da schoss mir auch schon das Bild von der gemischten Variante in den Kopf. Und wenn ich einmal ein Bild in meinem Kopf habe, muss ich es umsetzen. Ich bin einfach viel zu neugierig, wie weit das Ergebnis von meiner Vorstellung abweicht. Diese Neugier ist leider oft nicht von Vorteil und hat mir schon so manches UFO beschert. Aber sie hat mir auch schon, wie in diesem Fall, zu absoluten Lieblingsstücken verholfen.

Meine-Sandkastenliebe-Rueckenausschnitt-naehen

So glücklich ich mit dem fertigen Kleid auch bin, während des Nähens hat es mich fast in den Wahnsinn getrieben. Ich glaube, ich habe noch in kein anderes Nähwerk so viel Zeit investiert und das wegen eines einzigen, winzigen Fehlers, den ich viel zu spät erkannt habe.

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Aber ich fange einfach am Anfang an. Zur Sicherheit habe ich nämlich noch einmal ein Nesselteil angefertigt, falls der hohe Ausschnitt anders sitzt. Und das war gut so, denn dabei habe ich, wie ich schon im vorigen Beitrag angeschnitten habe, bemerkt, dass meine Brust trotz genau passendem Maß, scheinbar etwas zu groß war. Dem Nesselteil fehlten vorne an der stärksten Stelle ca. 2cm, um es schließen zu können. (Dass ich vorne für die Knopfleiste einen zusätzlichen Zentimeter brauchte, hatte ich schon berücksichtigt)

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Also habe ich für das nächste Nesselteil mein Schnittteil an der Stelle um 2cm vom Bruch weggerückt. Damit der Ausschnitt später nicht klafft, habe ich es aber schräg gelegt, also die obere Kante in den Bruch. Dadurch hatte ich in der Taille natürlich eine Mehrweite von fast 5 cm. Die habe ich gleichmäßig auf die Abnäher und die Seitennähte aufgeteilt. Als ich das Nesselteil probierte, war ich überrascht, wie gut das funktioniert hatte. Ich musste lediglich die Abnäher noch ein wenig verändern und es passte perfekt. Anschließend übertrug ich fein säuberlich meine Änderungen auf alle Schnitteile (immerhin lerne ich doch hin und wieder aus meinen Fehlern ^^) und war absolut zuversichtlich, dass es ein ganz tolles Kleid werden würde. Aber da hatte ich mich zu früh gefreut.

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Um auf keinen Fall einen Fehler zu machen, habe ich auch wirklich 5 mal überlegt, wieviel ich für meine geplante, farblich abgesetzte Knopfleiste vom Hauptstoff wegnehmen und aufgrund der Nahtzugabe wieder dazugeben musste und ich kam zu dem Schluss, dass ich bei einer Knopfleiste von 2 cm Breite die originale Bruchlinie verwenden musste. (inklusive meiner Änderungen natürlich)
Lange Zeit dachte ich, dass hier der Fehler begraben lag, aber so war es nicht…

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Mit den ersten kleinen Problemen hatte ich zu kämpfen, nachdem ich die beiden Oberteile miteinander verstürzt hatte. Weil ich diesmal einen festeren Außenstoff verwendet hatte, als beim ersten Mal, habe ich das Viskosefutter nicht mit Klebebatist verstärkt, damit die Nähte nicht zu dick werden. Und wie es nun einmal in der Natur von Viskose liegt, wollte sie mir keinen Gefallen tun und hat sich beim Zuschneiden etwas verzogen. Was zur Folge hatte, dass das Außen- und das Innenteil natürlich nicht mehr ganz genau aufeinanderpassten. Dadurch entstanden Falten entlang der Träger, die ich leider nicht komplett korrigieren konnte. (Wahrscheinlich hätte ich es gekonnt, wenn ich mir die Zeit dafür genommen hätte, aber nach dreimaligem Auftrennen und mit versetzter Nahtzugabe neu Zusammennähen, hatte ich absolut keine Lust mehr und habe beschlossen, dass ich mit diesen Falten leben können würde…)

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Doch die richtigen Probleme traten erst mit dem Annähen des Rocks auf, was mich eigentlich hätte stutzig machen müssen. Denn logisch betrachtet kann sich nicht ganz plötzlich die Passform des Oberteils komplett verändern, nur weil man den Rock angenäht hat, außer man hat beim Annähen des Rocks etwas falsch gemacht. Aber soweit konnte mein schockiertes Gehirn nicht mehr denken, als ich vorm Spiegel stand und das Desaster betrachtete. Ganz plötzlich waren die Zuversicht und Freude auf das Kleid weggewischt und am liebsten hätte ich an der Stelle einfach aufgegeben. Denn die Knopfleiste machte einen riesengroßen Bogen zur rechten Seite und überall waren massive Falten und wirklich riesengroße Beulen im Stoff.

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Es ist mir im Nachhinein nicht mehr ganz klar, wie ich darauf kam, aber ich lokalisierte das Problem im äußeren Oberteil, schließlich hatte ich nur das innere aus Nesselstoff genäht und beim äußeren kam ja auch noch die farblich abgesetzte Knopfleiste als potentielle Fehlerquelle hinzu.

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Deshalb begann ich nach und nach bestimmte Stellen davon zu ändern. Ich trennte abwechselnd die Seitennähte, die Brustabnäher und die Rückenabnäher auf, nähte sogar noch etwas mehr Stoff in die Knopfleiste, nahm an anderen Stellen wieder etwas heraus… Insgesamt saß ich drei Nächte an dieser Millimeterarbeit und es wurde einfach nicht besser. (Was sicher auch an meiner immer weiter sinkenden Laune lag)

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Doch dann gönnte ich mir zwei Tage Ruhe und als ich das Kleid danach wieder in die Hand nahm, war mir plötzlich sonnenklar, was all diese seltsamen Veränderungen verursacht hatte. Beim Annähen des Rocks hatte ich den Brustabnäher des Innenteils scheinbar zu weit außen noch einmal mit eingenäht und so entstand dieser extreme Zug zur rechten Seite. Also eigentlich absolut banal und es hätte mir einfach auffallen müssen. Aber anstatt mich darüber zu ärgern, habe ich mich so sehr gefreut, dass das Kleid doch noch zu retten und die Lösung dafür so simpel war.

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Weil ich dann aber alle Veränderungen, die ich davor genäht hatte, nicht wieder rückgängig machen wollte, sitzen die Brustabnähe nicht mehr ganz so gut, wie sie sitzen hätten können. Auch die Seitennähte des Außenteils hatte ich enger genäht und wollte sie einfach nicht mehr auftrennen, obwohl so der Lagenlook ein wenig verloren geht.

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Das Shirt zum Kleid hatte ich irgendwann zwischen meiner „Problemananlyse-Auftrenn-Steck-und-Näh-Orgie“ schnell zusammengeschustert und einfach darauf vergessen, dass ich eigentlich Brustabnäher einbauen wollte, um die Falten oberhalb der Brust wegzubekommen. Und ich glaube irgendetwas muss ich an der hinteren Armkugel auch noch verändern, damit es richtig gut sitzt, aber nach diesem Marathon ist mir für längere Zeit die Lust auf Anpassungen vergangen.

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Trotzdem mag ich das Shirt sehr, denn es ist eines der wenigen gelben, die ich besitze und es passt perfekt zu sämtlichen Jeans und den blauen Röcken.
Vielleicht kann sich übrigens der ein oder andere noch an meinen Beitrag zum Rock „Frau Sinnlich“ erinnern, in dem ich behauptet habe, dass dieser Rock nicht zu mir passt? Nun ja, zum Glück habe ich ihn nicht weggegeben, denn kombiniert mit diesem Shirt und vor allem mit einer lässigen Kordel statt des streng wirkenden Gürtels, trage ich ihn wahnsinnig gern.

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Jedenfalls hat mir das alles gezeigt, dass es manchmal ganz sinnvoll ist, ein wenig abzuwarten, Abstand zu gewinnen und später wieder auf das Problem zurückzukommen, dann fällt die Lösung plötzlich viel leichter. Was man doch beim Nähen so alles lernen kann…

 

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Alles auf einen Blick:

Schnitt: „Meine Sandkastenliebe“ von Lotte&Ludwig

Stoffe: Jeans Chambray bedruckt und einfarbig
Jersey „ein Meer aus Tulpen“ von Irias‘ Stoffgeschichten

Knöpfe: kleine Kokosknöpfe mit Rosenmotiv von Irias‘ Stoffgeschichten

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Verlinkt zu:

Du für dich am Donnerstag
Sew La La
The Creative Lover

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4 Kommentare zu „Warum einfach, wenn’s kompliziert geht“

  1. Wirklich schön geworden! Da hat es sich gelohnt, dass du drangeblieben bist 🙂
    Ja, solche ärgerlichen Fehler passieren. Was solls – hoffentlich lernt man draus!

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  2. Hui, da steckt ja wirklich wahnsinnig viel Arbeit und Mühe drin…die Sandkastenliebe allein wäre wahrscheinlich schon aufwändig genug gewesen…ein Glück, dass du bei deiner Fehlersuche erfolgreich warst. Das Kleid sieht am Ende jedenfalls wunderhübsch aus und steht dir sehr!
    LG,
    Janine

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  3. Oh Mann!
    Die Schweißausbrüche, die du gehabt haben musst, kann ich mir vorstellen.
    Fies! Danke, dass du es hier erzählst! Solche Berichte liest man viel zu selten. Ich denke oft, dass nur mir so ein Quatsch passiert.
    Toll, dass du dran geblieben bist! Es hat sich gelohnt und die Kombi vorne hohe Knopfleiste usw. finde ich super!
    Ich werde mir wohl auch ein hellgelbes Shirt machen müssen. Das sieht super aus!
    Gelb kam bei Kleidung in meinem Kopf bisher irgendwie nicht vor. Komisch.
    Grüße Christina

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