Die falsche Entscheidung?

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Immer, wenn ich mich in einen Stoff ganz besonders verliebe, (was zugegebenermaßen nicht allzu selten vorkommt) fällt es mir ziemlich schwer, mich auf ein Schnittmuster festzulegen. Meist habe ich so viele Ideen, was aus dem Stoff alles toll aussehen würde und es muss natürlich, um dem Stoff gerecht zu werden, die für ihn allerbeste Entscheidung getroffen werden.
Mit diesem hübschen Jeans-Chambray mit den kleinen Rauten ging es mir zum Beispiel so. Als er bei uns ankam war ich Feuer und Flamme und wollte sofort etwas daraus nähen.
Aber was denn nur?

Saila-naehen-Wickelshirt
Es war relativ schnell klar, dass es eine Hose werden sollte, obwohl ich mir auch ein Kleid daraus wunderschön vorstelle. Oder einen Rock…
Die große Frage war nun also, welcher Hosenschnitt ist der am perfektesten passendste? (und überhaupt und außerdem)
In die engere Auswahl schafften es mein Hosenfavorit die Mor Elora von Karlotta Klamotta (mittlerweile habe ich davon fünf Stück), die Hose der Frohnatur von Lotte&Ludwig (oder vielleicht doch eine ganze Latzhose…), die Chino von FeeFee oder die Saila von Näähglück.
Die Chino fiel schnell weg, einfach, weil ich sie noch nie genäht habe und deswegen die Passform überhaupt nicht kannte.

Saila-Vintage-Shirt-naehen-Hose-Webware
Mit anderen drei Hosen stand ich abwechselnd vorm Spiegel und überlegte und überlegte.
Im Endeffekt entschied ich mich für die Saila, weil ich mir nach dem Schnitt nur einmal eine kurze Probehose genäht hatte und ich wollte schon lang einmal eine „richtige“ Saila nähen.
Normalerweise bin ich, sobald die Entscheidung einmal getroffen wurde, glücklich damit, aber diesmal hatte ich ein leises ungutes Gefühl dabei. (das Anschneiden des Stoffes tat deswegen schon fast weh)

Jeans-Chambray-naehen

Weil das Probestück (aus festem Breitcord) ziemlich gut gepasst hat, ging ich relativ sorglos an die Sache heran (nur das leise ungute Gefühl schwang immer noch mit) und nähte alles in einem Zug, ohne zu heften oder die Hose vor dem (doppeltem!) Absteppen und dem Bund noch einmal anzuprobieren. Sogar Gürtelschlaufen brachte ich an, nur die Knopflöcher haben noch gefehlt.

Saila-naehen

Das erwies sich als großer Fehler! Bei der Anprobe der beinahe vollendeten Saila erlebte ich eine böse Überraschung.
Erstens war der Bund zu eng. Ich weiß nicht genau, was passiert ist, aber es hat irgendetwas mit dem Untertritt und meinem verwirrten Selbst zu tun (bedeutet: ich habe eine Seite zu stark gekürzt und den Bund leicht gedehnt angenäht und war währenddessen der Meinung genau das Richtige zu tun…)
Aber ein Bund, der zu eng ist hätte sich relativ leicht korrigieren lassen. Das wäre zwar lästig aber nicht ein „Aaaaah- ich-hab-die-absolut-falsche-Entscheidung-getroffen-der-Stoff-ist-für-alle-Zeit-für-mich-verloren“ gewesen.
Viel schlimmer war es, dass der Stoff vorne massive Beulen und Falten schlug, sodass es aussah, als würde ich eine Windel tragen, irgendwie war der Stoff auch noch unregelmäßig verteilt, also auf der Seite mit der Tasche war mehr, und außerdem saß die Hose im Schritt zu knapp. So war sie definitiv nicht tragbar. (Jetzt ärgere ich mich ein bisschen, dass ich davon kein Bild gemacht habe, um zu zeigen, dass ich nicht übertreibe – es sah wirklich furchtbar aus!) Nur die Hinteransicht war schon ganz gut.

 

Saila-anpassen-naehen
Eigentlich wäre es ein weiteres Stück für die UFO-Kiste gewesen, aber ich wollte mich diesmal damit einfach nicht abfinden und startete einen Rettungsversuch.
Also wurde die Hose zu großen Teilen wieder aufgetrennt und ich versuchte herauszufinden, an welchen Stellen ich Stoff wegnehmen musste, um die Beulen und Falten zu lindern. (dazugeben konnte ich ja nur schwer, sonst hätte ich das gemacht und versucht sie mit ein paar Kellerfalten in Form zu bringen…)
Ohne dieses Tutorial: „Pants fitting adjustments“ hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft.
Ich tastete mich ganz vorsichtig heran, nähte einen Teil ab, probierte an, stellte mich vor den Spiegel, zog und zerrte an der Hose, trennte auf und nähte noch einmal mit leicht veränderter Linie. Zwischendrin wollte ich mehrere Male hinschmeißen, aber wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, kann ich sehr hartnäckig sein.

Saila-naeaehglueck-naehen

Schlussendlich habe ich die Naht im vorderen Schritt um 0,7 cm enger genäht, unten um fast 4 cm abgeflacht (im Tutorial „round pubis adjustment“ genannt) und außerdem die Höhe der vorderen Hose um 1,5 cm reduziert.
An den Hüften habe ich unterhalb der Knopfleiste und auf der anderen Seite von oben weg den Bogen an meine Hüften angepasst und bis zu 2 cm weggenommen.
Ab dem Knie habe ich die Hose auch noch einmal um ca. 1 cm verschmälert.

Hose-anpassen-naehen

Dann, als das Grundgerüst angepasst war, habe ich den Bund neu zugeschnitten, diesmal einfach nur aus einem geraden Streifen, weil ich für die Rundung nicht mehr genügend Stoff zur Verfügung hatte. (also vorgewaschenen Stoff meine ich) Davor war das Muster meines Bundes gegenläufig, was wirklich ziemlich gut ausgesehen hat, aber in die Richtung reichte der Stoff leider auch nicht mehr. Andererseits würde der Gürtel (den ich jetzt tragen muss, weil der Bund durch den geraden Streifen etwas absteht…) das sowieso verdecken.

Holzknopf-Saila-naehen-Hose

Im Endeffekt habe ich es tatsächlich geschafft (es erstaunt mich selbst wirklich sehr, eigentlich habe ich damit gerechnet, dass ich solange an der Hose herumbasteln würde, bis sie unwiederbringlich zerstört wäre) die Falten ziemlich wegzubekommen und auch der Schritt war nicht mehr zu eng.

Aber an dem Abend war ich trotzdem gar nicht mehr zufrieden damit. Ich habe noch unglaublich viele Falten und Passformfehler gesehen, außerdem sind die meisten Nähte sehr verwordagelt, weil das Licht der Nähmaschine zu hell war für den Stoff und nicht genau erkennbar war, wo man näht. Und vorne fand ich, saß sie immer noch etwas zu hoch und überhaupt waren meine Nerven einfach blank.
Eigentlich hätte ich für die Hose auch schon Gesäßtaschen zugeschnitten, auf die hatte ich dann aber auch keine Lust mehr.

Saila-naehen-Naeaehglueck

Mein Freund meinte zwar: „Was hast du denn? Hast doch super hinbekommen“, aber ich habe ihm nicht geglaubt und seine Worte auf die gutsitzende Hinteransicht geschoben und war fest davon überzeugt die absolut falscheste Entscheidung getroffen zu haben.
Ich dachte mir: „Hätte ich doch nur die Frohnatur genäht…“

Bilder wollte ich aber davon machen, um auch einmal einen Reinfall zu zeigen, aber als ich die Bilder gesehen habe, gefiel mir meine Hose plötzlich doch ziemlich gut und ich war gar nicht mehr der Meinung, die falsche Entscheidung getroffen zu haben. (manchmal ändert die momentane Laune schon einiges am Blickwinkel…)

Vintage-Wrapshirt-naehen
Zum dem Oberteil gibt es nicht viel zu sagen, außer, dass ich es sehr, sehr, sehr gern habe.
Ich habe es wieder aus Viskose – Leinen- Webware genäht. Das war bei mir sicherlich der meistvernähte Stoff in diesem Sommer und er hängt mir trotzdem immer noch nicht zum Hals heraus. Im Gegenteil, es stehen mindestens noch fünf Schnittmuster auf meiner Liste, die ich unbedingt daraus nähen möchte.
Den Schnitt des Oberteils finde ich richtig genial. Es ist sehr schnell und einfach genäht, wirkt aber trotzdem raffiniert und ist außerdem sogar original aus den 50ern.
Im Prinzip besteht es nur aus einem Rechteck mit Loch und Bändern daran.
Hier findet ihr das Tutorial dazu: http://blog.hartsfabric.com/retro-inspired-wrap-shirt-tutorial/

tiefer-Rueckenausschnitt-Webware-naehen

Für mich Zwerg habe ich folgende Maße verwendet: 85 cm x 55 cm

Das Oberteil ist zusätzlich auch noch sehr bequem, man muss es nur hin und wieder nachbinden, weil es sich beim Bewegen lockert.
Man sieht auch immer wieder einmal seitlich den BH durchblitzen und das Halsloch ist mir etwas zu weit geworden, aber im Sommer finde ich beides in Ordnung. Nur ganz ohne BH würde ich es mich nicht anziehen trauen…

huebsche-dunkle-Holzknopfe-naehen

Ich habe diesmal auf jeden Fall einiges dazugelernt über Anpassungen an den eigenen Körper und im Endeffekt war es doch nicht die falsche Entscheidung die Saila zu nähen. Vielleicht werde ich den Schnitt sogar noch einmal nähen, jetzt wo ich weiß, wie ich ihn anpassen muss, eigentlich ist es nämlich ein sehr schöner Hosenschnitt mit tollen Details.

gemusterter-Jeanschambray-Viskose-Leinen-naehen

Auf einen Blick:
Schnitt Oberteil: Nach einem Tutorial, ursprünglich aus einem Heft aus den 50ern
Schnitt Hose: Saila von Näähglück
Stoff Oberteil: beiges Viskose-Leinen von Irias‘ Stoffgeschichten
Stoff Hose: leichter, gemusterter Jeans-Chambray von Irias‘ Stoffgeschichten
Knöpfe: Partrigeholzknöpfe von Irias’ Stoffgeschichten

Verlinkt zu:
Du für dich am Donnerstag
Sew La La
Create in Austria

6 Kommentare zu „Die falsche Entscheidung?“

  1. Da hattest du aber einen holprigen Weg zur Saila – hattest du im Vorfeld die Anpassungsanleitung in der Anleitung beachtet? Da sind ja gerade um die Falten im Schritt zu vermeiden auch die Maße der vorderen und hinteren Schrittnaht sehr wichtig. Aber im Endeffekt hast du es ja auch so geschafft =)

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    1. Ja, der Weg war holprig, aber der Fehler lag sicher bei mir und nicht am Schnittmuster 🙂
      Ich denke, beim ersten Mal habe ich die Anpassungsanleitung beachtet, weil die saß wirklich einwandfrei, nur ist das so lange her, dass ich mich nicht mehr erinnern konnte und diesmal einfach noch das unveränderte Schnittmuster zugeschnitten, weil eben die Probehose so gut gepasst hat 🙂
      Zugegebenermaßen schau ich mir beim Nähen die Anleitungen mittlerweile nicht mehr richtig an….

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    1. Hihi, nähen ist einfach immer sehr spannend und man weiß zu Beginn nie, was dabei herauskommt ^^
      Vielen Dank, ja mittlerweile hatte ich die Hose auch noch einmal an und weiß gar nicht mehr, was da in mich gefahren ist….
      Liebe Grüße
      Iris

      Gefällt 1 Person

  2. Ich kaufe auch öfter Stoff ohne genau zu wissen, wofür und kenne das mit dem hin- und herüberlegen, was nun die beste Option wäre. Manchmal hat man am Ende vielleicht wirklich eine blöde Entscheidung getroffen. Aber wenn man nur Mist gebaut hat, der sich korrigieren lässt – ärgerlich aber man lernt ja daraus. Wetten, du überträgst jetzt direkt die Anpassungen auf den Schnitt? 😉 Die Hose sieht so, wie sie jetzt ist, perfekt aus. Ich wär nie drauf gekommen, dass man mit dem Schnitt so ne coole Hose nähen kann, die Nähbeispiele hätten mich vorher nicht überzeugt…

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    1. Ja, ich bin wirklich extrem froh, dass ich es doch noch hinbekommen habe und es hat mich glaube ich auch sehr weitergebracht, wenn es um das Nähen von Hosen geht! Ich weiß jetzt, wo die „Passformprobleme“ meines Körpers liegen und kann in Zukunft darauf achten 😀
      Hihi, ja die Anpassungen sollte ich unbedingt noch übertragen… bis jetzt bin ich nicht dazu gekommen…
      Oh, dankeschön!
      Liebe Grüße

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