Warum ich den Sommer mit einer Jacke begrüße

Jeansjacke-Passform-naehen

Es scheint mir nicht ganz stimmig bei diesen sommerlichen Temperaturen eine Jacke zu präsentieren.
Eigentlich habe ich sie schon im April genäht und seitdem hätte ich sie mindestens tausendmal gerne angezogen. Aber ein Detail fehlte ihr noch zur Fertigstellung: die Knöpfe. Besorgt hatte ich sie zwar im Nähzubehörgeschäft Klos, recht untypisch für mich, schon, bevor ich mit dem Nähen begonnen hatte . Das Einschlagen entpuppte sich allerdings als überaus heimtückische Angelegenheit. Und nachdem ich den dritten Knopf in einem Anfall von „Geh-doch-endlich-rein-du-verdammtes-Ding“ zerstört hatte, legte ich die Jacke lieber zur Seite, bevor mir keine Knöpfe mehr übrigblieben und ich wieder neue holen müsste.

Jeansjacke-Burda-naehen-Jeansjersey

So lag die Jacke verweist herum, einmal hier, dann (sobald sie anfing mir hier im Weg umzugehen) dort und schlussendlich (weil dort auch nicht besser war) wieder hier. Manchmal musste ich schnell aus dem Haus und hatte absolut keine passende Jacke oder Weste anzuziehen, außer dieser einen unfertigen. Dann bedauerte ich ihre „Nichtfertigstellung“ und nahm mir vor, die Knöpfe noch am selben Tag einzuschlagen. Natürlich hätte ich sie auch ohne Knöpfe überziehen können, aber ich hatte auch sämtliche Fäden noch nicht abgeschnitten. Und wenn ich schnell aus dem Haus muss (oft schon vor zehn Minuten gemusst hätte), bleibt auch dafür keine Zeit mehr.

 

Jeansjacke-Burda-Ruecken
Aber nach ein paar etlichen Seufzern, weil meine Jacke immer noch nicht fertig ist, hat sich mein Kuschelkäfa (ein kleiner Insider, aber er muss sein- wenn ihr ein bisschen im Blog stöbert, findet ihr sogar den Ursprung…) dazu bereit erklärt, die Knöpfe für mich einzuschlagen.

Jacke-naehen-Tuch-haekeln

Also zeige ich sie euch nun glücklich bei über dreißig Grad. Ich finde, das ist auch in Ordnung, immerhin wird es nachts kühler und auch, wenn plötzlich ein Gewitter aufzieht, ist so eine leichte Jeansjacke, die übrigens auch wunderbar in jede größere Tasche gestopft werden kann, durchaus auch im Hochsommer noch praktisch.

Jeansjacke-naehen-innen

Der Beschluss eine Jeansjacke zu nähen stand schon länger fest. Ich mochte Jeansjacken schon immer, denn ich finde, sie passen quasi zu allem. Allzu romantische Kleidungsstücke werden alltagstauglicher, sportliche Kleidungsstücke wirken besonders lässig und auch zu Kleidern machen Jeansjacken eine gute Figur. Weil mir besonders noch eine Jacke fehlte, die ich zu Kleidern tragen kann und ich finde, dass Kurzjacken zu Kleidern besonders gut passen, wollte ich mir eine Jeansjacke nähen, die schon in oder kurz unterhalb der Taille endet.

Jeansjacke-Jeansjersey-naehen

Das Vorhaben blieb aber lange Zeit eher eine vage „Irgendwann- werde-ich-das-einmal-machen“ Idee. Schließlich stolperte ich durch Zufall über einen Burdaschnitt von 02/2010, der nicht nur genauso aussah, wie ich mir meine Jeansjacke vorstellte, sondern sogar einer in Kurzgröße, was mir bei meinen 1,58m sehr zugute kommt und Anpassungen erspart. Und die vage Idee musste in die Tat umgesetzt werden.

Jeansjacke-naehen

Ich habe davor schon Schnittmuster von Burda genäht und wusste, wie überaus ausführlich diese gestaltet sind (überhaupt nicht) und wie wundervoll sie mir meist passten (auch nicht besonders). Aber ich dachte mir, dass ich mittlerweile schon genügend Erfahrung gesammelt hatte, um mit der knappen Anleitung zurecht zu kommen, auch wenn es sich um ein relativ aufwendiges Projekt handelte und dass die Passform durch die Kurzgröße für mich besser sein würde. Zum Glück entschied ich mich dazu, zuerst ein Probeteil zu nähen, wodurch mir diese Jacke viel besser gelungen ist.

Jeansjacke-ohne-Kappnaehte-naehen

An einigen Stellen war mir die Anleitung doch etwas zu knapp und ich habe mich regelrecht nach Anleitungsfotos gesehnt. Vor allem, weil bei Worten wie „Blenden“ oft nicht klar herauskommt, welche Blenden nun gemeint sind. Mir war auch nicht klar, ob die Knopfleiste getrennt zugeschnitten, oder doch nur umgeschlagen wird. Teilweise müssen Schnitteile auch wirklich links auf links genäht werden- was zwar bei genauerer Betrachtung logisch wird, aber alles zusammen rief leichte Verwirrung bei mir hervor.

Tuch-haekeln-Farbverlauf

Gemeinsam mit dem langsamen Durchdenken der einzelnen Schritte half mir auch der  Blogbeitrag von fetzich sehr beim Nähen meiner Jeansjacke. Das einzige, was ich auch dort nicht herausfinden konnte, war, wie genau die vorderen Blenden aufgenäht werden müssen. Sollten sie sich nun nach außen oder nach innen biegen? Ich habe es bei meinem Probeteil nach innen und bei dieser Jacke nach außen versucht und es macht keinen erwähnenswerten Unterschied.

Jacke-naehen-kurz

Auch ein paar Anpassungen blieben mir doch nicht erspart. Laut Maßtabelle lag ich irgendwo zwischen 17 und 19, also nähte ich meine Probejacke von oben bis zur Brust in Größe 19 und ließ sie dann recht steil zu 17 auslaufen, für die Ärmel wählte ich Größe 18. Weil die Probejacke mir an den Schultern aber doch zu groß war und ich wirklich eine richtig enganliegende Jeansjacke haben wollte, nahm ich bei dieser Jacke noch jeweils 2 cm an der Knopfleiste weg- ich habe also alle Markierungen um 2cm nach außen verschoben. Außerdem habe ich sie um 1,5 cm gekürzt. Jetzt sitzt sie meiner Meinung nach wirklich fast perfekt. Nur die Schultern und Arme sind noch immer eine Spur zu weit. Mir ist es aber lieber an diesen Stellen etwas mehr Bewegungsfreiheit zu haben.

Jacke-naehen-Jeansjersey

Zusätzlich habe ich auch noch zwei Kleinigkeiten verändert. Zum einen habe ich, weil ich bei gelesen hatte, dass Jenny die Taschen verkleinert hatte und ich sie auf ihren Bildern immer noch recht groß fand, habe ich das auch so gemacht. Zum anderen habe ich die Manschetten verlängert. Das zu tun fiel mir aber erst ein, als ich sie schon zugeschnitten hatte, also habe ich Innen einfach gestückelt. Mir gefällt dieses Detail viel besser, als ich ursprünglich gedacht hätte. (um neue, größere Manschetten zuzuschneiden fehlte mir natürlich wieder einmal der Stoff…)

 

Jeansjacke-Manschetten-Detail-naehen

Ist euch übrigens aufgefallen, dass ich die Jacke auf manchen Bildern verkehrt herumtrage?
Das ist das erste Mal, dass mir ein Kleidungsstück auch von Innen so gut gelingt. Natürlich haben sich hier und da Fehlerchen eingeschlichen (Nähte sind teilweise wackelig, Bund ist von Innen nicht gleichmäßig festgenäht, Knopflöcher sind nicht immer an der richtigen Stelle…), aber oft sehen meine Nähwerke von außen schon ganz ordentlich aus, aber das Innenleben ist eine reine Katastrophe aus unlösbaren Fadengewirren, schlecht versäuberten Stellen und eingenähten Falten.
Darum bin ich wirklich stolz, dass meine Jacke nicht nur von außen, sondern auch von Innen sehr schön geworden ist.

Jeansjacke-nahen-Innenansicht

Sicherlich wäre sie Innen noch schöner, hätte ich Kappnähte verwendet, aber dafür war ich doch nicht motiviert genug. (es wird der Tag kommen, an dem ich Kappnähte ausprobiere, aber vorerst bin ich auch ohne noch zufrieden) Auch, wenn ich auf die Kappnähte verzichtet habe, habe ich brav alle Nähte zweimal abgesteppt und dafür graues Effektgarn verwendet, welches etwas dicker ist und somit auffälliger, also wunderbar geeignet für Kontrastnähte.

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Ich habe zwar schon einmal schlechte Erfahrungen mit dem Effektgarn gemacht und mir geschworen, es nie wieder zu benutzen- damals musste ich alle drei Minuten absetzen, weil sich der Unterfaden verwurschtelt hatte. Dann bekam ich aber den wertvollen Tipp, dass man dieses Garn eigentlich nicht als Unterfaden verwendet. Siehe da, diesmal hat alles super funktioniert und meine Maschine war nicht ein einziges Mal unzufrieden mit dem Garn…
Jeansjacke-naehen-Seite

Ursprünglich wollte ich meine Jeansjacke ganz klassisch aus dunkelblauem Jeans nähen, doch dann fand sich ich in meinem Stoffvorrat noch der graue Jeansjersey Austin von Swafing. Obwohl im Schnitt feste Stoffe empfohlen werden, habe ich mich für ihn entschieden. Und ich bin wirklich sehr froh darüber.
kurze-Jeansjacke-naehen

Erstens ist das helle grau sehr neutral und passt zu allem, was gerade bei Jacken ein riesengroßer Vorteil ist. Zweitens versuche ich normalerweise Jacken sobald es möglich ist zu vermeiden, weil ich mich durch die festen Jackenstoffe zu sehr in der Bewegung eingeschränkt fühle. Diese Jacke trägt sich durch den weiche Jeansjersey sehr angenehm und schränkt mich überhaupt nicht ein und es haben sich weder beim Nähen Probleme ergeben, noch stört mich die Optik, die sich durch den Stoff ergibt.

 

Jeansjacke-hinten

Nein, ich liebe diese Jacke und bin unglaublich froh, dass ich sie nun endlich anziehen kann. Oder besser gesagt könnte, denn derzeit ist sogar mir zu warm für eine Jacke.

Jeansjacke-Burda-naehen

Nicht nur die Jacke, auch das petrolfarbene Tuch ist selbstgemacht. Seit neuestem habe ich nämlich das Häkeln wieder für mich entdeckt. Bis jetzt habe ich hauptsächlich kleine Stofftiere gehäkelt oder hin und wieder ein luftiges Top, das ich über einem Bikinioberteil tragen kann, aber noch nie habe ich mir ein Tuch gehäkelt. Auch habe ich noch nie Farbverlaufsgarn verwendet. Aber als ich Woche für Woche bei RUMS (ich bin immer noch traurig, dass es ihn nicht mehr gibt) eure schönen Tücher gesehen habe, stieg in mir der Drang, auch einmal eines zu versuchen.

Best-of-Petrol-Viskose-Tuch-haekeln

Ich musste ein wenig suchen, bis ich Farbverlaufsgarn ohne Polyester oder Wollanteile gefunden hatte. An und für sich habe ich nichts gegen Wolle, ich finde es sogar sehr schade, dass ich das Gefühl von Wolle auf der Haut nicht aushalte. Auch, wenn es sich um besonders weiche Wolle handelt- das kitzeln treibt mich an den Rand des Wahnsinns, sogar bei Kaschmire. Bei Maggie P – Wollträume wurde ich schließlich fündig. Dort gibt es eine tolle Auswahl an unterschiedlichsten Wickelungen, aus verschiedensten Materialien und auch die Möglichkeiten, sich unterschiedliche Wunschwickelungen zusammenzustellen sind groß. Entschieden habe ich mich für ein vierfädiges Viskosegarn, die Wickelung heißt „Best of Petrol“. Das Tuch fühlt sich wunderbar weich an und der sanfte Farbverlauf gefällt mir ausgesprochen gut.

Tuch-Flieder-haekeln

Gehäkelt habe ich nach der Anleitung Flieder, die ich bei Crazy Patterns gefunden habe. Ich musste aber ein paar Änderungen vornehmen, weil ich ursprünglich etwas anderes aus der Wolle häkeln wollte und nur 800m statt 1000m bestellt hatte. Um das auszugleichen ließ ich hier und da ein paar Reihen weg und außerdem die gesamte „Häkelschrift 4“. Das führte zwar zu ein paar Problemchen, aber durch das Verändern von Maschenabständen ließen sie sich leicht ausgleichen.

Tuch-Maggie-P-Wollen-haekeln

Verliebt in mein neues Tuch und meine neue Jacke bin ich nun bestens ausgerüstet für kühlere Tage. (was hoffentlich für das Wetter Anlass genug ist, warm zu bleiben)
Jetzt geh ich aber stöbern, um mich von euch zu sommerlicheren Nähprojekten inspirieren zu lassen.
helle-Jeansjacke-naehen

Verlinkt zu Me Made Mittwoch 
Create in Austria

Jeansjacke-naehen-hell

8 Kommentare zu „Warum ich den Sommer mit einer Jacke begrüße“

  1. echt toll : so ein ausführlicher Beitrag und die Jacke gefällt mir auch sehr gut an dir! Hochachtung für deine Ausdauer und das anpassen und überhaupt Burda Schnitte sind ja wirklich nicht gerade so einfach , es hat sich auf jeden Fall gelohnt finde ich! Lg Sarah

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