My Yara und meine Nähgewohnheiten – Teil 1

Je tiefer ich in die Nähwelt eintauche, desto mehr fällt mir auf, wie unterschiedlich wir oft an einzelne Schritte herangehen und wie verschieden die jeweiligen Vorlieben beim Nähen eigentlich sind.
Ich finde es jedes Mal sehr interessant darüber zu lesen und mich auszutauschen. Darum wollte ich einmal ein bisschen von meinen üblichen Beiträgen abkommen und eine Beitragsserie verfassen in der es um meine Nähgewohnheiten und Vorlieben geht.

MyYara-im-Rapsfeld

Weil ich aber ein großer Fan von textauflockernden Bildchen bin (ich mag Bilderbücher immer noch sehr…), zeige ich euch nebenbei meine „My Yara“ von Petit et Jolie. Zu ihr gibt es nicht viel mehr zu sagen als: Ich liebe, liebe, liebe sie.
Sie begleitet mich sehr häufig im Alltag, weil sie so schön unkompliziert (Flecken verschwinden auf mysteriöseste Art und Weise) ist, aber trotzdem speziell. Außerdem ist sie sehr bequem und das Verhältnis von Weite, aber doch nicht zu viel davon, ist bei dem Schnitt sehr gut gelungen. Ich habe sie aus einem wunderschönen Viskose-Leinen Jersey von Alles für Selbermacher genäht. Der wunderbar weiche und fließende Stoff ist perfekt geeignet für My Yara.
Hinten habe ich schwarze Spitze eingenäht. Ich weiß wirklich nicht, woher ich die habe- wahrscheinlich ein Erbstück…
Änderungen musste ich keine vornehmen, nicht einmal bei meinem Sorgenkind am Ärmel, sondern konnte wunderbar nach Maßtabelle meine Größe nähen. Nur den Ausschnitt habe ich ein wenig erweitert und eingefasst.

So, jetzt wo sich keiner mehr wundern muss, was denn diese Bilder nun mit dem Beitrag zu tun haben, geht’s los. Heute erzähle ich euch erst einmal, was bei mir alles vor dem Nähen passiert.

MyYara-naehen

Materialbeschaffung:

Ich bin hauptsächlich ein Online – Stoffkäufer. Das hat mehrere Gründe. Zum einen kann ich ganz gemütlich Stoff kaufen, wenn mein kleiner Mann im Bett liegt und kein Verkäufer fragt mich alle zehn Minuten, ob ich denn endlich etwas gefunden hätte. (Wenn ich mir etwas ansehen, dann schau ich lang und gründlich…)
Außerdem wäre es seltsam, wenn ich ein paar Tage hintereinander oder sogar mehrmals am Tag ins Geschäft käme, um mich davon zu überzeugen, ob ich den Stoff nun wirklich kaufen möchte. Manchmal dauert mein Bestellvorgang nämlich mehrere Tage. Nachdem ich anfangs einige schreckliche Fehlkäufe getätigt habe, schlafe ich gern nochmal eine Nacht darüber. Vor allem sieht man auch gleich, wieviel der Spaß insgesamt kostet und kann nochmal gemütlich umsortieren. In einem Stoffgeschäft fühle ich mich immer ein bisschen gestresst und nehme oft mehr mit oder auch zu wenig, aber selten das, was ich brauche.
Und wenn man eine bestimmte Stoffqualität sucht, oder recht genaue Vorstellungen vom gewünschten Muster hat, wird man in Onlineshops auch viel leichter fündig. Dort kann man zwischen den einzelnen Stoffgeschäften innerhalb von Sekunden wechseln und fährt nirgendwo „umsonst“ hin nur um dann ein paar Frustmeter mitzunehmen.

MyYara-hinten

Zu Beginn war oft recht unsicher die Farbabweichung von Bildschirm zu Realität betreffend und ich wusste nicht, wie sich die einzelnen Stoffe anfühlten und wie sie fallen würden. Damals hat es mir geholfen, mir viele Nähbeispiele aus den Stoffen anzusehen, so kann man zumindest den Fall gut abschätzen. Mittlerweile habe ich meinen Bildschirm ziemlich gut eingestellt und kann anhand der verschiedenen Fotos (ich mag es, wenn die Stoffe auf verschiedene Arten und Weisen abgelichtet wurden) die Farbe ziemlich genau abschätzen.
Außerdem verrät mir die Stoffzusammensetzung und diese kryptische kleine Zahl (g/m3) inzwischen sehr viel darüber, wie sich der Stoff anfühlen und wie er fallen wird.

Petit-et-Jolie-naehen

Trotzdem lasse ich mich immer noch gern überraschen und probiere neue Stoffqualitäten aus. Meist bin ich von diesen neuen Qualitäten ganz besonders begeistert und möchte alle meine Kleidungsstücke nur noch aus ihnen nähen. Wenigstens weiß ich mittlerweile, dass es überhaupt gar keinen Sinn macht, aus diesem Affekt heraus etwas zu horten – es wird viel zu schnell wieder von Neuem abgelöst…
Ich kann gar nicht sagen, welche Stoff Art ich am liebsten habe. Leichter Jeansstoff, Feinstrick, Spitzenstoff, Jeansjersey, normaler Jersey, Sweat, Viskose, leichte Baumwolle, Leinen und, so wie hier, Viskose – Leinen Mischungen – sie alle stehen bei mir hoch im Kurs.

MyYara-naehen-PetitetJolie

Was ich aber so gut es geht vermeide ist Polyester. Nicht nur wegen der Umwelt, sondern auch wegen der Optik und vor allem dem Tragegefühl.
Gerade Feinstrick bekommt man aber leider selten ohne Polyesteranteil. Weil ich Feinstrick sehr gern mag und er zu vielen Schnitten wunderschön passt, drücke ich da manchmal beide Augen zu.
Elasthan ist eine andere Geschichte, mit Elasthan kann ich derzeit noch ganz gut leben (das schreibe ich so, weil ich im Moment merke, dass ich bei der Materialwahl wesentlich kritischer werde und wer weiß, wie lange es noch dauert, bis ich auch Elasthan verbanne), sonst wäre ich wirklich sehr eingeschränkt in der Stoffwahl.

Bei Farben passiert es mir schon hin und wieder, dass ich etwas enttäuscht bin, aber oft zwingen mich gerade solche „Fehlgriffe“ dazu, kreativ zu werden (bei mir darf nichts verschwendet werden), denn in der richtigen Kombination kann man fast alles retten. Und im schlimmsten Fall braucht man auch immer Pyjamas oder Gewand, das Flecken abbekommen darf.

MyYara-PetitetJolie-naehen

Zu mindestens 50% kaufe ich Stoff nicht projektbezogen, sondern einfach nur, weil sie mir gefallen, den richtigen Schnitt dafür finde ich oft erst mit der Zeit. Weil ich in solchen Fällen aber meist nur einen Meter veranschlage (ich kann fast alles aus einem Meter nähen- angefangen bei Hosen über Shirts, Westen und sogar Kleider nur reicht es selten für lange Ärmel, Taschen oder Kapuzen…), habe ich oft zu wenig davon. Dadurch bin ich ein Großmeister im Stückeln, Stoffmischen und Tetris spielen geworden.
Im Gegensatz zum Stoff kaufe ich Nähzubehör eher projektbezogen und selten online. Nur von Nähgarnen und Spitzen habe ich für alle Fälle eine gute Auswahl zu Hause.

Longshirt-naehen

Schnittmuster:

Bei Schnittmustern hat es sich ergeben, dass ich die meisten als PDF besitze. Ich glaube das kommt, weil ich mit kostenlosen Schnittmustern aus dem Internet angefangen habe und auch beim Probenähen bekommt man sie als PDF, also bin ich es einfach so gewohnt.
Dabei sind Papierschnittmuster insgesamt wahrscheinlich günstiger und bedeutend weniger Arbeit.
Eine Zeit lang habe ich die Schnittmuster sogar direkt vom Bildschirm auf Papier gezeichnet (ja, das hat tatsächlich funktioniert und es war ein sehr alter Bildschirm…), um mir die Tintenpatronen zu sparen, aber es war mir auf Dauer einfach viel zu mühsam.

Beim Drucken achte ich trotzdem oft darauf, dass ich nicht zu viel drucke. So lasse ich oft Seiten, die komplett verwendet werden, ganz weg, drucke bei den Ärmeln nur den oberen Teil und verlängere sie selbst und Bündchen, Belege und Rockteile drucke ich meist gar nicht, sondern konstruiere sie selbst, außer es handelt sich um ganz spezielle Röcke. (natürlich nur, wenn es sich nicht um ein Probenähen handelt)

 

Pfingstrosen-japanischer-Stil-Viskose-Jersey

Mit der Zeit haben sich auch bei den Schnittmustern Vorlieben herauskristallisiert:
Dadurch, dass ich mir das Nähen übers Internet und durch die Anleitungen in den Ebooks angeeignet habe, mag ich es, wenn die Anleitungen recht ausführlich sind. Auch wenn ich inzwischen nicht mehr alles so genau brauche, lerne ich doch bei fast jedem E-book noch eine Kleinigkeit dazu. Besonders gern habe ich es, wenn auch etwas zur Schnittanpassung dabeisteht. Mir ist es lieber, wenn Nahtzugaben enthalten sind und wenn alle Größen übereinander liegen. Denn ich nähe selten eine Größe durchgehend, sondern muss sogar manchmal zwischen drei Größen herumspringen.

MyYara-Viskose-Leinen-naehen

Ich übertrage die Schnittmuster alle noch einmal auf Schnittmusterpapier. Das habe ich hauptsächlich wegen der Kinderschnitte begonnen, so muss ich nicht nach jedem Wachstumsschub erneut drucken. Und nachdem ich sehr gerne an den Schnittmustern herumbastle, wodurch sie mit der Zeit unbrauchbar werden, handhabe ich es auch mit den Damenschnitten so.
Zusätzlich kommt es immer einmal wieder vor, dass ich für jemand anderen nähe und eine andere Größe brauche und ich selbst werde vielleicht auch nicht immer die gleiche Größe haben.

Viskose-Leinen-Jersey-naehen

Wahrscheinlich ist es den Aufwand trotzdem nicht wert- mein Freund lacht zumindest öfter über meine Widersprüchlichkeit und versteht nicht, wie ich so sparsam beim Drucken sein kann, wo ich doch in all den anderen Bereichen des Nähens recht großzügig bin.
In Wahrheit bin ich auch beim Nähen nicht allzu verschwenderisch (bilde ich mir zumindest ein und es kommt auch drauf an, mit wem man sich vergleicht), aber dadurch, dass ich in allen anderen Lebenslagen, relativ sparsam bin und mich immer frage, ob ich etwas wirklich brauche- ist der Kontrast viel größer…
MyYara-Seitenansicht
In letzter Zeit habe ich A0 für mich entdeckt, das erspart wirklich viel Klebearbeit, allerdings funktioniert mein „Drucksparsystem durch Weglassen“ dabei nicht und leider bieten es auch nicht alle Schnittmusterersteller an.

 

Für das Zusammenkleben habe ich mir im Laufe der Zeit auch eine bevorzugte Methode angeeignet. Ich schneide die Kanten nie ab, sondern falte immer eine Kante um und klebe sie mit ein paar winzigen Streifen Dikso (auch hier gilt, nur nicht zu viel verwenden) oder wahlweise ein paar Strichen Uhu Stick auf die Linie des darauffolgenden Blattes. Außerdem klebe ich immer zuerst die Spalten (oder sind es die Zeilen) und dann verbinde ich sie alle auf einmal – so kann ich meiner Meinung nach besser überprüfen, ob ich irgendwo gepfuscht habe.

MyYara-Naehgewohnheiten

 

Vorwaschen:

Ich bin jemand, der wirklich jeden Stoff zur Sicherheit einmal im Schnellwaschprogramm vorwäscht, denn ich fände es einfach schade, wenn sich ein fertiges Kleidungsstück verzieht oder zu klein wird, weil ich es nicht vorgewaschen habe. Außerdem habe ich zu viel Angst um den Rest der Wäsche, sollte der Stoff tatsächlich noch ausbluten. (was sie in den seltensten Fällen tun- das haben zumindest meine Experimente im Waschbecken ergeben)

Weil ich aber doch nicht jeden Stoff ganz allein waschen möchte, sammle ich oft sehr ähnliche Farben, bevor es für alle zusammen in die Waschmaschine geht. Manchmal beachte ich das sogar schon bei der Stoffbestellung. (Ist das sehr verrückt?)
Zusätzlich versäubere ich wirklich alle Stoffe entlang der Schnittkanten. Dehnbare Stoffe falte ich einmal in der Mitte und nähe sie rundherum zusammen. Irgendwann habe ich gelesen, dass sie dadurch ihre Form behalten und es ein „Verziehen“ und gleichzeitig auch noch das lästige Einrollen verhindert. Ich habe das Gefühl, dass das wirklich stimmt, mir fehlt allerdings der Vergleich, weil ich eben immer schon alles vorwasche.

MyYara-Fluegel

Auch habe ich einmal gelesen, dass ein Schuss Essig die Farbe besser bindet. Vom Essig schütte ich seitdem vor jeder Wäsche ein Stamperl in die Waschtrommel und ich finde, dass die Farben seitdem wirklich wesentlich länger ihre Leuchtkraft behalten. Anfangs hatte ich Angst, die gesamte Wäsche würde dadurch nach Essig riechen, aber bis jetzt wäre mir das noch nicht aufgefallen und auch sonst hat sich noch niemand beschwert.

So gründlich ich beim Waschen der Stoffe auch bin, so häufig vergesse ich es, die Spitzen vorzuwaschen. Das führt nicht selten dazu, dass sie sich nach dem ersten Waschgang noch einmal zusammenziehen. Bis jetzt konnte ich es aber mit bügeln und kräftig daran zerren (nicht so kräftig, dass die Nähte reißen!!) eigentlich immer retten.

Viskose-Jersey-rote-Pfingstrosen

Das war’s fürs erste mit meinen Nähgewohnheiten und Vorlieben. Wann es weitergeht, kann und möchte ich nicht genau festlegen, dazu brauche ich nämlich erst wieder ein Nähwerk zu dem ich nicht allzu viel zu sagen habe. (Und mir fällt irgendwie immer viel zu viel ein, das wichtig wäre dazu zusagen)

Jetzt würde mich interessieren: Habt ihr euch bei der ein oder anderen Sache wiedererkannt, oder handhabt ihr das ganz anders?
Und bin ich wirklich so verrückt, wie ich mir manchmal vorkomme? (Achtung, das ist eher eine rhetorische Frage…)

Naehgewohnheiten

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4 Kommentare zu „My Yara und meine Nähgewohnheiten – Teil 1“

  1. Ein tolles Shirt! Der Stoff passt gut zum Schnitt 🙂
    Ich finde es interessant, dass ganz viele Leute, die noch nicht sehr lange nähen, hauptsächlich PDF-Schnittmuster verwenden. Ich habe 2003 angefangen, da gab es das noch gar nicht 😉 Ab und zu kaufe ich auch mal ein Ebook, aber überwiegend verwende ich Zeitschriften (oder die großen amerikanischen Einzelschnittmustermarken, Vogue, Simplicity etc.) – Ebookhersteller machen halt auch oft eher etwas einfachere Schnittmuster, das ist für mich nicht mehr so interessant. Burda, Fashion Style etc. bieten mir mehr Schnittformen, die ich noch nicht gesehen habe. Dafür finde ich darin selten Basics wie Hoodies – sowas musste ich mir „früher“ selbst konstruieren und war dann nicht zufrieden.
    Ich mag auch die Auswahl, die Onlineshops haben, aber eigentlich fasse ich den Stoff vorm Kauf lieber an … ich habe schon öfter unangenehme Überraschungen erlebt, z.B. Baumwolljersey und Double Gauze, die sich eher rau und steif anfühlten als schön weich. Diese Info kriegt man weder durch Material- noch Gewichtangaben raus, sondern nur durch Anfassen. Und leider kann man oft nur halbe oder ganze Meter bestellen, was blöd ist, wenn man für ein T-Shirt 65 cm braucht: Entweder hat man 10 cm zuwenig und muss stückeln (möchte ich eigentlich nicht _immer_ tun müssen) oder man hat 35 cm übrig.
    Übrigens halte ich 1,50 m für mich inzwischen für eine bessere „Standardmenge“ beim Stoffkauf, wenn ich nicht sicher weiß, dass ich einen Rock oder ein kurzes Shirt nähen will – so reicht es auch für Kleider, Hosen, Jacken oder langärmelige Shirts, je nach Stoff 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Dankeschön!
      Es kann auch daran liegen, dass die PDF Schnittmuster in den Sozialen Medien viel präsenter sind… Burda nähe ich mittlerweile auch manchmal, weil ich schön langsam mehr Herausforderung brauche, aber auch die Schnitte kauf ich online 🙂 Ich entscheide oft nach Maßtabellen – da kommen mir meist die E-Books mehr entgegen. Einige der anderen Schnittmuster beginnen erst bei Gr. 36…Burdaschnitte muss ich immer sehr stark anpassen.
      Ich kann sehr gut verstehen, dass man den Stoff vorher anfassen will. Ich habe bis jetzt qualitativ einfach keine schlechten Erfahrungen gemacht, alle online gekauften Jerseys waren sehr weich… und ich liebe den Überraschungsmoment beim auspacken, ob die Stoffe wirklich toll sind ^^ Das mit den halben Metern stört mich auch ziemlich, darum kaufe ich hauptsächlich in Shops, wo man in 10 cm Schritten auswählen kann!
      1,50 ist sicher die vernünftigere Menge…
      Liebe Grüße

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