Tutorial – geraffter Ausschnitt

Ich liebe es ja sehr, mit altbewährten Schnittmustern zu spielen, sie nach meinen Vorstellungen zu verändern oder zu kombinieren und immer wieder ganz andere Versionen zu kreieren.
Nun hatte ich wieder eine Idee zu einer Spielerei am Ausschnitt und dachte mir, ich fotografiere einfach mit und mache ein kleines Tutorial dazu, falls es wirklich so funktionieren sollte, wie ich es mir vorstellte.
Es hat auch tatsächlich funktioniert und war sogar ziemlich unkompliziert.

geraffter-Ausschnitt

Auf die Idee zur Raffung kam ich übrigens, weil ich Raglanärmelschnitte ziemlich toll finde, aber sie wirken mir manchmal ein bisschen zu sportlich, darum wollte ich sie für mich „romatifizieren“.
Mein Tutorial ist also im Grunde auf Raglanschnittmuster ausgelegt. Ich habe hier wieder meinen geliebten Alleskönner Bethioua von Elle Puls verwendet (ich liebe einfach den Rücken!), kann es mir aber auch sehr gut bei Billund von Pech und Schwefel, Toni von Milchmonster, dem Retrokleid Friis von Lolletroll (sicherlich besonders schön mit der Kapuze – muss ich unbedingt auch noch probieren) und vielen anderen vorstellen.
Dasselbe Prinzip funktioniert vermutlich auch für nicht Raglanschnitte, wenn man eine raglanähnliche Teilung setzt oder die Raffung bis zur Schulternaht laufen lässt, oder sogar gleich um den gesamten Ausschnitt. Ich bin sicher euch fallen noch tausend tolle Dinge ein.

So, jetzt wollt ihr hoffentlich -vielleicht-unter Umständen-wenn’s denn sein muss wissen, wie ich meine Bethioua verändert habe.

Zuerst habe ich mir auf meinem Vorderteil ungefähr 8 Zentimeter unterhalb des Ausschnittes eine Trennlinie eingezeichnet- die könnt ihr aber natürlich ganz nach Belieben setzen- und das Stückchen dann einfach abgeschnitten (von diesem Schritt gibt es nur eine Zeichnung, denn sooft, wie ich meine Bethioua in allen erdenklichen Varianten zerstückelt und wieder zusammengeklebt habe, ist es einfach nicht mehr herzeigbar…)

Zeichnung-Schnittmusteranpassung
Ich schreibe mir gern auf beide Seiten der Trennlinien den Vermerk: NZ!!!!, damit ich die Nahtzugabe, die hier unbedingt dazugegeben werden muss, auf keinen Fall vergesse. (passiert trotzdem oft genug)

Vom-Bruch-wegschieben

Dann werden alle Teile wie gewohnt zugeschnitten bis auf das kleine Stückchen. Dieses habe ich, um die Mehrweite für die Raffung zu erhalten, um seine eigene Länge (11cm) vom Bruch weggeschoben. Je nachdem, wie stark man die Raffung haben möchte, kann man es auch näher zum Bruch (weniger Raffung) oder weiter weg vom Bruch (mehr Raffung) schieben.

Stueckchen-zugeschnitten

Geschnitten habe ich, wie auf dem Bild hoffentlich ersichtlich wird,  der Linie des Schnittmusters folgend und dann gerade auslaufend.

Rafffaeden-naehen

Nun muss gerafft werden. Dafür stellt ihr die Fadenspannung eurer Nähmaschine auf 0 und die Stichlänge des Geradstiches auf Maximum und näht auf beiden Seiten des Stückchens jeweils zweimal entlang. (ich wollte dieses zweimal lange nicht einsehen, aber es macht wirklich Sinn es zu tun, man erspart sich so viel Ärger…)

Raffen-an-Unterfaeden-ziehen

Anschließend verknotet ihr die Fadenenden der einen Seite miteinander und zieht am anderen Ende an den beiden Unterfäden, bis ihr auf die gewünschte Länge gerafft habt. In dem Fall ist das an der Unterkante die Länge eures Vorderteils und an der Oberkante die normale Länge des Ausschnittes.

Falten-auf-richtige-Laenge-legen

Wenn ihr die richtige Länge erreicht habt, verknotet ihr auch die anderen Fäden miteinander, so ist es leichter die Raffung gleichmäßig zu verteilen. Verteilt nun die Falten so, wie es euch gefällt. Ich habe zum Beispiel versucht, die Falten in der Mitte ein kleines bisschen dichter werden zu lassen.

rechts-auf-rechts-naehen

Jetzt näht ihr euer kleines, gerafftes Stückchen entweder mit der Overlock oder einem elastischen Stich eurer Nähmaschine rechts auf rechts an euer Vorderteil. Wundert euch bitte nicht über die Overlocknaht an der Oberkante, ich dachte, ich könnte so die Falten fixieren, im Endeffekt musste ich aber erneut raffen. Mit der Nähmaschine ließen sich die neuen Falten dann allerdings gut fixieren…

Festnaehen

Ab hier könnt ihr euer Schnittmuster wie gewohnt zu Ende nähen.
Auch den Halsausschnitt könnt ihr versäubern wie es euch beliebt. Nur von einem Beleg würde ich wegen der Naht, die dann mitten durch eure Raffung läuft, abraten.

Halsausschnitt-naehen

Meinen Ausschnitt habe ich mit einem Jerseystreifen eingefasst. Ein Tutorial dafür findet ihr bei Hamburger Liebe. Ich lasse allerdings die Naht nicht offen, sondern schließe meinen Streifen zuerst zu einem Ring und nähe ihn dann am Ausschnitt fest.

Jetzt nur noch Fäden abschneiden, gegebenenfalls überschüssige Rafffäden auftrennen und dann seid ihr auch schon fertig!

Fertig-genaeht
Ich hoffe, das Tutorial hat euch gefallen!
Solltet ihr noch Fragen, Wünsche, Anregungen oder Beschwerden haben, dann zögert nicht, mich anzuschreiben.

Verlinkt zu: Create in Austria

3 Kommentare zu „Tutorial – geraffter Ausschnitt“

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