Mein Wintermärchen- Ein Farbklecks im ewigen Weiß

Hallo, ihr Lieben!
Heute möchte ich euch mein aller langwierigstes Nähprojekt zeigen, fast ein Jahr musste es auf seine Fertigstellung warten.
Denn auf die Idee, mir einen Wintermantel zu nähen, bin ich letztes Jahr kurz nach Weihnachten gekommen. Damals hatte ich gerade einmal vier Kleidungsstücke für mich genäht. Aber nach meinem Riesenwal war ich extra motiviert und dachte mir: „So ein Mantel ist wahrscheinlich nicht viel schwerer, als ein normales Shirt, nur eben etwas langwieriger.“ (obwohl das sicher stark schnittmusterabhängig ist)

Wintermantel-Portrait-große-Kapuze
Es wäre vermutlich auch gar nicht so schwer gewesen, hätte ich nicht den einen Fehler gemacht, aber von dem erzähle ich euch ein bisschen weiter unten.
In meiner Euphorie habe ich ungefähr 3 bis 4 Nähabende geschätzt und war mir sicher, dass ich ihn noch diesen Winter tragen würde.
Nun ja, weit gefehlt, denn schon allein das Schnittmuster auszusuchen (man näht sich ja immerhin nur einen, maximal zwei oder vielleicht drei Mäntel, da muss das wohl überlegt werden…) dauerte bis Ende Jänner. Pirie-naehen-Walkmantel-lang
Nach unzähligen Stunden auf Da Wanda und etlichen Zwiegesprächen mit mir selbst- eigentlich hatte ich mir einen geradlinigen, schlichten, mittellangen, braunen oder schwarzen Mantel vorgestellt (Zu dem Zeitpunkt war ich es ja noch nicht gewohnt, die ganze Zeit so auffällig herumzulaufen) – fiel die Wahl auf den Schnitt, der sofort mein Herz gewonnen hatte, auch wenn der Kopf anderer Meinung war. Es war der wunderschöne Mantelschnitt Pirie von Toscaminni, die wirklich einen ganzen Haufen aboluter Traumschnitte haben. Mir war auch sofort klar, dass es die lange Version werden würde. (ist ja auch viel wärmer, also genau das Richtige für mich dauerunterkühlten Menschen)
Vor der Entscheidung ist nach der Entscheidung und so ging es weiter mit der Wahl der Stoffe. Zumindest wusste ich von Anfang an, dass ich Walk verwenden wollte, aber welche Farbe?
Wie schon erwähnt, war der Plan eigentlich unauffällig schwarz, braun oder grau (geht immer, passt zu allem), aber als ich bei Lieblingsstücke direkt neben dem braun das wunderschöne petrol sah, war’s schon wieder um mein Herz geschehen, der Kopf war natürlich anderer Meinung, also nochmal ein paar Nächte darüber schlafen, bis ich nicht mehr anders konnte und den petrolfarbenen Walk bestellte.
Um den Futterstoff wollte ich mir erst Gedanken machen, nachdem ich wusste, wie gut der Walk warmhielt und wie sehr er mich kratzen würde. (bei Wolle bin ich etwas empfindlich)

Mantel-mit-Kellerfalte-naehen
Also nähte ich mir erst einmal schnell den Übermantel (das ging wirklich ruckzuck) vorsichtshalber eine Größe größer, damit ich noch genug Platz für dickes Futter und dicke Pullover hatte, obwohl das eigentlich im Schnitt berücksichtigt wird (aber die wissen ja nicht, wieviel Schichten Gewand ich schon bei Plusgraden brauche, um das Haus zu verlassen)
Wider meiner Befürchtung, der Stoff könnte zu dick oder zu rau für meine Nähmaschinen sein, ließ er sich sehr einfach und angenehm vernähen, sowohl mit der Overlock, als auch mit der normalen Maschine.
Die erste Anprobe zeigte, dass ich bis jetzt alles richtiggemacht hatte. Ich war sofort verliebt in meinen nicht ganz so schlichten Mantel und in die riesige Zipfelkapuze, über die ich auch ein kleines Zwiegespräch mit mir geführt hatte, bezüglich möglichen Ähnlichkeiten mit einem Gartenzwerg. (vielleicht ein bisschen, aber ich liebe sie trotzdem)

Mantel-mit-Zipfelkapuze-naehen
Das Kratzen hielt sich auch in Grenzen, ein dünner Futterstoff hätte schon gereicht, um es verschwinden zu lassen. Also kam nun die Kälteprobe.
Ich stellte mich bei Minus 4 Grad im Pyjama (ich nähe oft im Pyjama) und unfertigen Mantel für zehn Minuten vor die Tür. Es war frisch, aber annehmbar, solange der Wind nicht von oben in den ziemlich großen Kragen fuhr (zumindest einen Schal anzuziehen wäre kein Fehler gewesen…). Das Futter musste also weder ein Steppstoff, noch ein Fleece sein, aber nur einen leichten Futterstoff wollte ich auch nicht verwenden. Meine Entscheidung fiel letztendlich auf Jersey, denn ich kannte die Eigenschaften des Stoffes einfach am besten.

Mantel-naehen-Gluekpunkt
Aber nun stellte sich die schwierigste aller Fragen. Welche Farbe und welches Muster passt dazu?
Ich beschränkte mich ziemlich schnell auf die Farben braun, grau oder schwarz und stellte mir ein feines Ornamentmuster vor. Mir war ziemlich schnell klar, dass es das in braun nicht gab und auch sonst konnte ich einfach nichts finden.
Meine verzweifelte Google Suche führte mich letztendlich zu Glückpunkt und war der Anfang einer ganz großen Liebe.
Eigentlich – und hier schließt sich der Kreis zu meinen Bloganfängen- hatte ich dort ursprünglich den Stoff dieses Shirts als Futter auserkoren hatte.
Als meine Bestellung aber vor mir lag, gefiel mir der schöne Jersey mit den keltischen Mustern viel besser. Ich hatte nur Angst er würde den Mantel endgültig zu einer „frisch-aus-der-Herr-der-Ringe-entsprungen“ Version machen und somit im Alltag für mich untragbar. Andererseits hätte das andere Muster beinahe den gleichen Effekt gehabt und nach weiteren Nächten war ich endlich soweit, dass es mir egal war, ob mich die gesamte Welt endgültig für verrückt erklären würde, oder nicht.
Ich wollte diesen Mantel genauso!

Walkmantel-naehen-petrol
Also machte ich mich endlich ans Futter zuschneiden und da passierte er- der Fehler!
Weil ich nicht den gesamten Mantel mit dem Musterstoff füllen wollte (oder konnte, denn so viel hatte ich nicht davon), verwendete ich ihn nur für die Innenkapuze und die Belege und für den Rest einen einfarbigen grauen Jersey. Aber ich war ungeduldig und schlampig beim Zuschneiden uns so kam ich beim Beleg des Rocks schief und außerdem war er auch ein bisschen zu kurz. Außerdem ließ ich auch die Kellerfalte innen weg.
Weil ich aber endlich weiterkommen wollte, dachte ich mir: „Wird scho passen…“
Tat es aber nicht, der gesamte Rock des Mantels wurde durch das Dehnen des Jerseys, um die fehlenden Zentimeter auszugleichen, komplett verzogen. (ich war jung und unerfahren, heute würde ich das nicht mehr machen)
Bis ich das halbwegs behoben hatte musste ich viel auftrennen und neu nähen, auftrennen und neu nähen und es vergingen Wochen.
Letztendlich konnte ich es aber irgendwie hin pfuschen, man darf sich den Mantel nur nicht von Innen anschauen. (ich zeig euch trotzdem ein Bild, damit ihr wisst, was ich meine ^^)

Detail-Futter
Vielleicht trenne ich irgendwann die Säume voneinander, so wie es im E-book vorgesehen ist, aber ich dachte mir, da kann sonst vielleicht Wind oder Schnee von unten hinein.
Mittlerweile halte ich das eher für unwahrscheinlich, aber die Motivation hat mich noch nicht überkommen.
Dannach fehlten nur noch die Knöpfe, die ich mir sogar schon im Geschäft Klos Heinrich KG ausgesucht hatte, obwohl die Auswahl an schönen Knöpfen einfach gigantisch war. Aber diese passen einfach perfekt zum Muster.

Wintermantel-naehen-Knoepfe
Mittlerweile war es Frühling geworden, der Mantel schon fast zu warm und ich hatte große Angst, ihn durch das Nähen der Knopflöcher zu zerstören. Immerhin hegt und pflegt man sein Kleidungsstück, lacht und weint mit ihm (vor allem, wenn es so lang dauert) und dann schneidet man Löcher hinein…
Erst ein Blogbesuch bei der wundervollen Anja von Brightday Loves und ihres schönen Mantels Ende Oktober ließ mich genug Mut fassen, es endlich zu tun.
Es funktionierte und plötzlich war er fertig.
Ich bin wirklich froh, dass ich immer wieder auf mein Herz gehört habe, denn ich liebe meinen Mantel ganz genau so, wie er ist und wäre mit jeder anderen Entscheidung sehr unglücklich geworden. Außerdem sind die Reaktionen auf den Mantel sehr positiv und nicht, wie ich dachte: „Oh Gott, wie kann man nur so herumlaufen…“ (obwohl sich das sicher einige denken, aber zumindest sagen sie es mir nicht ^^)

Mantel-Pirie-Toscaminni
Ich habe für kein Kleidungsstück bis jetzt auch nur annähernd so viele Komplimente bekommen – liegt aber vielleicht auch daran, dass ich den Mantel häufiger trage…
Genau gesagt seit der Fertigstellung den gesamten Winter durchgehend und mir war noch kein einziges Mal kalt. Allerdings hatte es diesen Winter bei uns auch noch nicht unter Minus 6 Grad.
Ich warte noch immer auf die obligatorische Minus 20 Grad Woche (sie darf aber auch gern ausfallen), aber ich bin mir ziemlich sicher, dass so starke Minusgrade doch zu viel sein werden für meinen Märchenmantel.
Was für ein Roman… Hut ab vor demjenigen, der sich das von Anfang bis Ende durchliest. Aber irgendwie ist es sehr passend für das langwierigste Nähprojekt meiner bisherigen Nählaufbahn auch den längsten Text zu schreiben.

Wintermantel-naehen-lang
Nun aber zu euch! Hattet ihr auch schon einmal ein so langwieriges Projekt?

Verlinkt zu RUMS

 

8 Kommentare zu „Mein Wintermärchen- Ein Farbklecks im ewigen Weiß“

  1. Kompliment! Ich finde deinen Mantel wunderschön! Das ist das erste Mal, dass ich dieses Kompliment im Internet austeile!! Ja, ich hatte schon viele solche schwierige Fälle. Jetzt arbeite ich gerade an einem Seidenkleid, doppellagig. ein weißes Unterkleid und ein geblümtes Überkleid. Frage mich nicht, wie viele Stunden ich schon daran arbeite. Jetzt wird hoffentlich fertig. Viel Freude mit deinen Eigenkreationen!

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    1. Vielen Dank!
      Wow, da fühl ich mich ganz schön geehrt!!
      Und Hut ab, bei mir wird es noch länger dauern, bis ich mich an Seide herantraue… so rutschig und so leicht zu zerstören, da kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man lang dafür braucht und Geduld kostet es sicher auch jede Menge.

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  2. Dein Traummantel ist auch mein Traummantel. Der ist ja wirklich wunderbar geworden und ich finde Außen- und Innenstoff passen perfekt zusammen. Mit dem Schnitt liebäugle ich schon ewig, aber ich hab es mir bisher nicht zugetraut. Aber dein toller Blogpost macht mir Mut.

    Ich wünsch dir noch ganz viel Freude mit deinem Mantel und Kompliment zu deinem Durchhaltevermögen.

    Liebe Grüße
    Melanie

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  3. Der Mantel sieht toll aus. Die Stoffe sind wunderschön. Und die Farbe passt auch total gut zum Winter. Sieht im Schnee fantastisch aus. Ich hab mich noch nicht an einen Mantel getraut. Aber ich kenne das, wenn Projekte so lange liegen. Manchmal ärgere ich mich, dass ich sie beiseite gelegt habe, denn es besteht die Gefahr, dass sie nie fertig werden.
    LG Lydia.

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    1. Dankeschön!
      Das stimmt, etwas beiseite legen ist immer gefährlich ^^ Ich habe auch einige Projekte liegen, wo mir klar ist, dass sie nie fertig werden… Aus manchen wächst man auch einfach heraus und manche habe ich sogar schon für kleinere Projekte wiederverwertet.
      Aber bei dem Mantel steckte einfach schon soviel Zeit, Liebe und Stoff darin, dass ich ihn einfach fertig machen musste 😀
      Liebe Grüße

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