Der Weihnachtswal

Alle Jahre wieder…

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…geht’s plötzlich richtig schnell und Weihnachten steht bevor.
Okay, es ist noch jede Menge Zeit, aber sollte man so ein Geschenk planen, wie ich letztes Jahr, dann ist es höchste Zeit mit den Vorbereitungen zu beginnen.
Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich überhaupt auf die Idee kam, dass mein kleiner Mann einen Sitzsack braucht, noch weniger, warum dieser unbedingt selbstgenäht sein musste und am allerwenigsten, wieso um alles in der Welt ein Wal?
Naja, eigentlich weiß ich es doch noch: Weil unser Kleiner genug andere Spielsachen hatte und Wale nun einmal seine Lieblingstiere sind und so etwas gibt es einfach nicht zu kaufen. Außerdem bin ich ein großer Vertreter von „Was man selber machen kann, muss man nicht konsumieren“ (Obwohl man sehr wohl einiges konsumieren muss…aber es ist trotzdem etwas anderes)

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Hätte ich im Vorhinein gewusst, wie kompliziert es wirklich ist ein Schnittmuster für einen Walsitzsack selbst zu konstruieren, die notwendigen Materialien dafür aufzutreiben und das Monster dann auch noch zu nähen, wäre ich einfach schreiend vor mir weggerannt. (Vielleicht sollte ich das bei meiner nächsten Idee ernsthaft in Erwägung ziehen…)
Aber so wäre ich auch nicht um eine riesen Erfahrung reicher, die Kinderaugen unterm Weihnachtsbaum hätten niemals so geleuchtet (den Wal hat übrigens das Christkind genäht) und ich könnte mir nicht jedes Mal, wenn ich vor einem Projekt Respekt habe, sagen: „Du hast ohne ein zweites Mal darüber nachzudenken beschlossen, einen verdammten Wal zu nähen und hast Angst vor einem Knopfloch?“

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Ja, ich geb’s zu: Unter dem Zynismus (oder Sarkasmus, oder einfach nur seltsamer Art von Humor) steckt großer Stolz auf mein Meisterstück.
Mein Projekt begann also mit einer ziemlich spontanen Eingebung Mitte November. Anfangs war ich noch guter Dinge in den Tiefen des Internets ein Schnittmuster dafür zu finden, aber ich wurde enttäuscht. Zwar gibt es Schnittmuster und Anleitungen für Sitzsäcke, aber die waren mir nicht walisch genug.

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Also zeichnete ich erst einmal eine Skizze inklusive Grundriss und Aufriss. Der Wal musste unbedingt ein Maul haben, um Stofftiere fressen zu können, man sollte aber auf keinen Fall die Möglichkeit haben, selbst zu weit hinein zu kriechen. Außerdem musste er abziehbar sein, um ihn einer gründlichen Reinigung unterziehen zu können und durch die doppelte Schicht erhoffte ich mir zusätzliche Stabilität.
Als nächstes nähte ich ein Mini Modell, um Fehler in der Schnittkonstruktion zu erkennen und die Arbeitsschritte praktisch durchzudenken.

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Das Modell erfüllte seinen Zeck und wies mich besonders auf zwei Fehler hin: Erstens brauchte nicht nur die Unterseite des Wals einen Bogen am Maul, der Mittelstreifen musste den gleichen Bogen aufweisen und durfte nicht einfach gerade enden. und zweitens musste die Augenposition von Anfang an klar sein, denn diese aufzunähen ist der allererste Schritt. (das Walstofftier ist bis heute augenlos geblieben und an einer Seite offen, schläft aber trotzdem schon lange im Bett)
Anschließend überlegte ich mir, wie lang mein Wal ungefähr sein sollte und rechnete mir anhand dieses Maßes alle relevanten Schnittmustermaße um. (Gut, dass ich nie ein Problem mit Mathematik gehabt habe, sonst hätte ich vermutlich schon an dieser Stelle gekündigt)
Das Schnittmuster anhand der Maße zu konstruieren war aufgrund der sich ständig selbst verstauenden Ikea Zeichenrolle zwar mühsam, aber nicht schwer.

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Dann ging es schon an die Materialauswahl und Beschaffung.
Allein für das Innenteil brauchte ich fast fünf Meter mittelfesten Baumwollstoff, dieses habe ich ohne Schwanz und Seitenflossen mit einem Dreifachgeradstich genäht.
Das schwierigste an der Materialbeschaffung war, die geeignete Füllung zu finden. Einen anderen Sitzsack dafür auszuräumen erschien mir über die Maße ineffizient und viel zu teuer. Also fragten wir (zur Unterstützung musste da mein Mann mit) im Baumarkt nach. Die Angestellten sahen uns zwar an, als müsste man uns einweisen, aber gaben uns einen riesigen Sack „Styroporkügelchendämmung“ (es gab sicher einen Fachausdruck dazu…) mit und sagten mit einem wissenden Grinsen: „Viel Spaß damit!“
In dem Moment wusste ich noch nicht, was sie genau damit meinten und war einfach nur glücklich „Walfüllung“ gefunden zu haben.

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Zu Hause erkannten wir das Ausmaß des Problems, welches die lieben Menschen uns mit ihrem netten Grinsen angedeutet hatten. Einfach den einen Sack in den anderen um leeren wäre schier unmöglich gewesen, ohne das ganze Haus in einer elektrisch aufgeladenen Schneelawine zu versenken.
Wir entschieden uns für die Kübelvariante, die wahrscheinlich gar nicht so mühsam gewesen wäre, hätte ich nicht nur ein sehr kleines Loch offengelassen. Ich hatte mir nämlich schon vorher gedacht, dass es nicht so leicht sein würde das prallgefüllte Monster im Anschluss zu zu nähen und wollte den „Nähweg“ so gering wie möglich halten.
Die Realität übertraf aber bei Weitem meine Vorstellungskraft. Mit viel schieben und drücken und ziehen und zerren schafften wir es zu Zweit den vollgestopften Wal unter die Nähmaschine zu zwingen. (ich hatte Angst nur mit der Hand wäre die Naht nicht stabil genug)
Im Nachhinein betrachtet finde ich es bemerkenswert, dass meine Nähmaschine das überlebt hat…

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Den Rest dieses Abends verbrachten wir damit, jedes noch so winzige, höchstverdächtige Kügelchen zu jagen, denn unser zweieinhalb jähriges Wunderkind hätte bei dessen Anblick natürlich sofort erkannt, dass wir hinter seinem Rücken einen Wal erschufen. (Manche Überlegungen sind mit etwas zeitlichem Abstand betrachtet wirklich schwer nachzuvollziehen)
Nach dieser Affäre war ich mir sicher, das Schlimmste hinter mir zu haben. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich aufgrund eines kleinen Denkfehlers beim Einnähen des Mauls – ich weiß nicht mehr, was das Problem war, denn eigentlich wird das Maul eingenäht, wie eine normale Hosentasche – ungefähr fünf Meter Overlock plus Dreifachgeradstich- naht auftrennen würde müssen (das soll Konjunktiv Futur Zwei sein oder sowas).
Außerdem war es auch nicht besonders leicht, die Steppnähte am Bauch zu nähen, denn es musste stellenweise einfach viel zu viel Material an der Innenseite der Maschine durch. Diese Steppnähte waren aber nicht nur rein optischer Natur, sondern wichtig, damit die Dacronwatte, mit der ich auch die Flossen befüllt haben, schön an ihrem Platz bleibt. Die Watte habe ich allerdings aus rein optischer Natur angebracht.

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Für den Bezug des Wals habe ich eine bunte Stoffmischung gewählt: Türkiser und rosa Baumwolljersey und etwas schwarzen und weißen für die Augen, hellgraues Fleece und Baumwollstoff von Robert Koch mit zusätzlichen Walen darauf (ein Detail, welches unser kleiner Mann ganz besonders liebt).
Zu guter Letzt brauchte ich noch einen weißen Endlos Zipp, um den Überzugwal auf den Unterwal zu bekommen. Ich betete inständig, dass die Strecke zwischen den zwei Flossen dazu ausreichte. Das tat sie glücklicherweise und ich konnte endlich nach einigen mühsamen Nächten mein Werk bewundern.

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Tatsächlich ist es viel besser geworden, als ich während des Nähprozesses gedacht hätte und die Details haben im Endeffekt wirklich so gewirkt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Dass der weiße Reisverschluss aussieht wie Zähne macht mich zum Beispiel unheimlich glücklich. Aber am allermeisten freut mich, dass der Wal tagtäglich allen möglichen und unmöglichen Strapazen ausgesetzt wird und noch immer nicht auseinandergefallen ist.

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So jetzt habe ich endgültig den roten Faden verloren und hoffe, dass ihr gegen Ende meiner Ausführung überhaupt noch folgen konntet. Es ist einfach schon so lange her, dass ich diesen Wal genäht habe, da ist es gar nicht so einfach, sich genau und strukturiert zu erinnern.
Eins sollte ich vielleicht noch erwähnen: die meisten Materialien habe ich mir aus der Firma Klos Kg geholt, nur den Wal- Baumwollstoff habe ich von Lieblingsstücke und die Styroporkügelchen vom Baumarkt.

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Wie sieht es denn bei euch aus? Plant ihr dieses Jahr ein Großprojekt?
Ich lehne mich heuer auf jeden Fall ein bisschen zurück, das Christkind soll nämlich zu Weihnachten nur ganz viele Ölkreiden bringen.

Verlinkt zu Creadienstag
Handmade on Tuesday
Create in Austria

6 Kommentare zu „Der Weihnachtswal“

  1. Woooow da hast du mal was geleistet 🙂 Der sieht echt hammer aus und deine Schritte hören sich irgendwie sehr lustig an wenn ich mir das Bildlich vorstelle wie da so einer sitzt und nen rießen Wal näht 😀
    Aber dein Ergebniss ist echt klasse 🙂
    lg Susi

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    1. haha, ja verrückt bin ich sicher!
      Ich schrecke an manchen Tagen vor Bündchen zurück, da liegt dann ein Shirt tagelang, weil ich mich nicht drüber trau… Aber einen Sitzsackwal, den näh ich ohne zögern und währenddessen komm ich drauf, dass es doch echt schwierig ist XD

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