Am besten werden oft die Dinge, über die man nicht nachdenkt

Barcelona-naehen
Jeder kennt das vermutlich: Man sitzt und denkt…. und denkt…und denkt und die Gedanken drehen sich dabei im Kreis oft ohne eine sinnvolle Lösung auszuspucken. Oder man hat viel zu genaue Vorstellungen von einem Ergebnis, das niemals genauso werden kann und ist im Endeffekt enttäuscht. (oft auch trotz definitiv großartigem Resultat)
Mir passiert das beim Nähen oft genug. Ibiza-Barcelona-naehen
Ich möchte ein Schnittmuster ausprobieren und setze mich vor meinen „Oh, das ist aber ein schöner Stoff, irgendetwas werde ich daraus sicher zaubern.“ – Vorrat und nichts lässt sich gut kombinieren. Oder ich suche lang nach einem Schnitt und dem dazu passenden Stoff, um ein Hirngespinst von mir (das meist auch schon mit utopischer Foto Location und Beleuchtung, Wind und Nebelmaschine und seltsam verdrehter Pose in meinem Kopf herumschwirrt) umzusetzen, das sicher niemals so aussehen wird, wie in meinem Kopf und egal wie toll es im Endeffekt ist, ich bin doch immer ein bisschen enttäuscht.
Auf der anderen Seite werden oft Kleidungsstücke, die ich nähe, weil ich gerade einfach nur Lust auf Nähen habe und bei denen ich ohne viel nachzudenken in den erstbesten Stoff reinschneide, die also nicht auf meiner „To – Sew -Liste“ stehen, meine Allerliebsten.
Deswegen habe ich mir spontan bei Glückpunkt ein Überraschungspaket zu einer Bestellung dazu genommen. Ich dachte mir, da lerne ich Muster, Farben oder Stoffarten kennen, die ich mir vielleicht gar nie bestellt hätte und kann so meine Erwartungshaltungen und mein Dinge zerdenkendes Gehirn austricksen.

Barcelona-naehen-Rollsaum
Das hat wirklich wunderbar funktioniert, das Paket war voll mit großartigen Stoffen jeglicher Art, die ich mir nicht bestellt hätte und von denen beinahe jeder einzelne einen kleinen „Nähflow“ ausgelöst hat.
Aber sofort und ganz besonders verliebt habe ich mich in den zarten, geblümten Chiffon, (ich denke zumindest, dass es ein Chiffon ist) den ich deswegen gleich am nächsten Tag vernähen musste.

Ibiza-Pech-und-Schwefel
Dabei stellten sich mir zwei klitzekleine Probleme in den Weg (was wäre nähen, ohne Probleme…)
Erstens war mein Schnittmustervorrat für nicht dehnbare Stoffe zu dem Zeitpunkt (im Aprill, mittlerweile habe ich an diesem Problem beharrlich gearbeitet…) mehr als begrenzt und zweitens hatte ich nur 40 cm Stoff zur Verfügung.

Barcelona-Ibiza-naehen
Ich entschied mich dazu kein neues Schnittmuster zu suchen, (und dann auszudrucken, zu kleben, auf Schnittpapier zu übertragen, vll. auch noch die Passform zu überprüfen… – Faulheit hatte mit dieser Entscheidung absolut gar nichts zu tun ^^) sondern mir endlich eine Barcelona zu nähen.

Pech-und-Schwefel-Schnittmuster
In dieses Schnittmuster von Pech und Schwefel war ich schon länger vernarrt, aber hatte bis dahin noch keinen passenden, weichfallenden Stoff gefunden. Glueckpunkt-Stoffe-naehen
Also legte ich den Schnitt auf den Stoff und stellte fest, dass die Tunika nicht nur ein bisschen kürzer werden würde, sondern, dass sich nicht einmal Vorder- und Rückteil gemeinsam ausgingen, geschweige denn, die Ärmel. Nun war ich aber von der Idee, mir endlich eine Barcelona zu nähen so überzeugt, dass ich sie nicht wieder fallen lassen wollte. Also ließ ich die Ärmel vorerst beiseite – darum würde ich mich später kümmern – nahm beim Rückenteil die Falten weg und nutzte jeden mir zur Verfügung stehenden Millimeter für die Länge. (darum ist der Saum am Vorderteil auch nicht gerade, aber das gefällt mir eigentlich ziemlich gut)
Als ich danach mit meinen beiden Teilen dastand, glücklich, dass sie sich irgendwie ausgegangen waren, wurde mir plötzlich eiskalt bewusst, dass ich mir noch überhaupt keine Gedanken über den Stoff für die Passe gemacht hatte und Ärmel hatte ich nun auch nicht, also brauchte ich in Wahrheit sogar zwei passende Stoffe….

Ibiza-Barcelona-Pech-und-Schwefel
Leicht panisch durchwühlte ich meinen Stoffschrank und fand weißen Chiffon, der wohl irgendwann einmal ein Kleidungsstück einer Verwandten gewesen sein muss.
Es brauchte noch eine Weile, bis mein Gehirn überrissen hatte, dass ich nicht nur die Passe, sondern auch die Ärmel daraus nähen konnte und noch eine kleine Weile, bis ich beschloss, auf die Manschetten zu verzichten.

Barcelona-Pech-und-Schwefel
Dann konnte es endlich ans Zusammennähen gehen.
So furchtbar der weiße Chiffon beim Zuschneiden schon gewesen war (man erkannte teilweise gar nicht, welches Schnittteil welches sein sollte), so furchtbar war er auch beim Nähen. Seit diesem „traumatischen“ Erlebnis finde ich beinahe keinen anderen Stoff mehr zu rutschig…

Barcelona-Chiffon-naehen
Der Blumenchiffon ließ sich hingegen wunderbar vernähen.
Nachdem der Halsausschnitt mir sämtliche Nerven gekostet hatte, entschied ich mich bei allen anderen Säumen für Rollsaum.
Nun war der Moment gekommen, dem ich sowohl entgegengefiebert hatte, als auch ein wenig gefürchtet, ich konnte mein allererstes blusenähnliches Nähstück anprobieren. Bedenken hatte ich vor allem aus zwei Gründen: Ich hatte bei der Barcelona keinen Passformcheck vorgenommen und sie einfach sicherheitshalber eine Nr. größer in 36 zugeschnitten, aber ich hatte trotzdem Angst, dass sie vielleicht an den Armen oder am Rücken zu eng sein würde. Außerdem war ich mir nicht sicher, ob die Länge nicht absolut blöd aussehen würde.

Barcelona-nahen-Chiffon
Aber das Nicht – Denken und Drauflosschneiden haben sich gelohnt und ich bin sicher ganz verliebt mindestens eine dreiviertel Stunde vorm Spiegel gestanden. (ich weiß, ich kann unglaublich selbstverliebt sein, aber ich bin Waage, die sind angeblich so….)
Als ich mit dem Bewundern fertig war, beschloss ich, dass ich dazu unbedingt eine perfekt passende kurze Hose bräuchte. Und welche Hose wäre wohl passender, als eine luftige Ibiza von Pech und Schwefel.

Ibiza-naehen
Am nächsten Tag nähte ich mir also aus wunderschön leichtem Jeans Chambray von Glückpunkt, den ich mir extra in dunkelblau nachbestellt hatte, weil ich ihn so toll finde, meine erste Ibiza, mit der ich auch schon länger geliebäugelt hatte. Allerdings musste ich sie nicht unwesentlich kürzer und schmäler machen, weil es sonst nämlich unmöglich aussah (hat sogar mein Liebster gesagt), was sich als recht kompliziert herausstellte und im Endeffekt ist sie vielleicht eine Spur zu kurz geworden. Trotzdem liebe ich sie und bei den Hitzewellen dieses Jahr, war sie perfekt.

Licht-Schaten-Barcelona-naehen
Verziert habe ich sie mit einem sehr zarten schwarzen Spitzenband und statt des Gummibundes habe ich ein Bindeband aus dem Chambray genäht und eingezogen.

So habe ich also eines meiner liebsten Sommeroutfits einem Überraschungspaket zu verdanken.
Verlinkt zu RUMS

2 Kommentare zu „Am besten werden oft die Dinge, über die man nicht nachdenkt“

  1. Das ist ein wunderbar Beitrag und ein genauso schönes Outfit. Mit mehr als 30 Jahren Näherfahrung kämpfe ich auch noch immer mit Chiffon. Deine Art zu improvisieren ist toll! Weiter so! Das eröffnet so viele Möglichkeiten und zeigt, dass Du gut um die Ecke denken kannst.
    Vielen Dank für die kurzweilige Zeit auf Deinem Blog!
    Liebe Grüße,
    Julia

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